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Rechtsschutzversicherung - gut geschützt im Rechtsstreit

In der Schweiz lässt es sich vor Gericht nicht gut streiten, denn seit 2011 müssen Kläger die mutmasslichen Gerichtskosten vorschiessen. Und wer den Rechtsstreit gewinnt, muss sich selbst darum kümmern, das Geld bei der Gegenseite einzutreiben. Von den möglichen Anwaltskosten und Entschädigungen gar nicht zu reden, falls ein Fall doch verloren wird.

Diese Regelung trifft vor allem den Mittelstand sehr hart - wer nicht arm genug ist, um ein unentgeltliches Verfahren zu beantragen, verzichtet also meist lieber auf eine Klage, selbst wenn die Gewinnchancen gut aussehen. Recht haben und Recht bekommen sind also nicht das Selbe.

Expertenzitat

"Es ist gar nicht so unwahrscheinlich, dass einen im Laufe seines Lebens ein Rechtsstreit trifft. Ob man dann auch eine Versicherung braucht, hängt davon ab um was es geht und wie teuer der Prozess wird! Ein Beispiel: Man fällt auf einen Handwerker herein, der lausige Arbeit abliefert, die nachgebessert werden muss, wodurch sich zusätzliche Kosten ergeben. In so einer Situation ist jeder froh, wenn er nicht auch noch viele Tausend Franken in die Hand nehmen muss, um zu seinem Recht zu kommen. Auch Prozesse gegen einen Arzt, beispielsweise wegen eines Behandlungsfehlers, kann man sich im Normalfall ohne Versicherung gar nicht leisten."

Akin Oender, Versicherungsberater bei Knip
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Wieso profitiere ich von einer
Rechtsschutzversicherung?

Wer Angst hat, sich einen Rechtsstreit im Notfall nicht leisten zu können, der sollte in eine Rechtsschutzversicherung investieren. Diese Versicherung unterstützt beim Prozessieren und deckt, je nach gewählter Police, unterschiedliche Risiken ab. Auf diese Weise sorgen Rechtsschutzversicherungen wieder für mehr Chancengleichheit zwischen den Parteien, wenn beispielsweise ein Arbeitnehmer ausstehende Löhne bei seinem Arbeitgeber einklagen möchte, oder Mieter um eine Mietzinssenkung kämpfen. Mit einer guten Rechtsschutzversicherung kann man also im Fall der Fälle richtig sparen! Üblicherweise kostet eine Jahresprämie weniger als eine Anwaltsstunde.

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Welche Formen von
Rechtsschutzversicherungen gibt es?

Privatrechtsschutzversicherung

Die private Rechtsschutzversicherung kann sowohl als Einzel- als auch als Familienversicherung abgeschlossen werden. Bei der Familienversicherung der Rechtsschutzversicherung sind sowohl der Lebenspartner als auch die im gleichen Haushalt lebenden Kinder bis zum 25. Altersjahr regelmässig in den Versicherungsschutz eingeschlossen.

Spartipp: Haben zwei Partner eine eigene Rechtsschutzversicherung, dann kann es Sinn machen eine der beiden Policen zu kündigen und bei unverändertem Versicherungsschutz einmal die Beiträge zu sparen!

Bei den meisten Streitigkeiten handelt es sich finanziell gesehen um Lappalien. Es gibt aber auch privatrechtliche Streitfälle, bei denen es um hohe Summen geht. Verklagt man nach einer Falschbehandlung seinen Arzt, fordert man unter Umständen sehr viel Schmerzensgeld. Neben den Anwaltskosten fallen auch hohe Gutachterkosten an. Auch bei Streitigkeiten um die Erwerbsunfähigkeitsrente kann es schnell in die Zehntausende gehen.

Die Deckungssumme der Versicherung ergibt sich aus den Bedingungen, die man in der jeweiligen Police einsehen kann. Mindestens gedeckt sein sollten Prozesskosten aus Kauf-, Miet-, Werk-, Darlehens-, Arbeits- und Pauschalreiseverträgen sowie dem einfachen Auftrag und Auseinandersetzungen mit Versicherungen. Das ist nur ein kleiner Teil der rechtlichen Streitigkeiten.

Verkehrsrechtsschutzversicherung

Der Verkehrsrechtsschutz greift bei juristischen Auseinandersetzungen im Strassenverkehr - zum Beispiel nach Unfällen mit dem Auto, dem Rad oder zu Fuss. Dabei wird vor Gericht häufig um Schadensersatz oder Schmerzensgeld gestritten; ohne Rechtsschutz kann das schnell teuer werden. Angeboten werden Tarife für Singles mit einem Pkw und solche für Familien mit einem Auto oder mehreren Wagen. Beim Abschluss sollte man darauf achten, dass alle Familienmitglieder in den verschiedenen Situationen im Strassenverkehr abgesichert sind. Spezielle Policen bieten ausserdem einen Fahrer-Rechtsschutz, mit dem man auch als Fahrer fremder Autos versichert ist.

Auch im Verkehrsrechtsschutz sollte genau geprüft werden, welche Fälle von der Versicherung übernommen werden und welche nicht. Typischerweise versichert sind zum Beispiel folgende Sitauationen: Streitigkeiten mit Haftpflichtigen und Versicherungen, Kauf, Verkauf, Miete oder Reparatur von Autos, Leasing, Verletzung von Verkehrsregeln, Fahrausweisentzug usw. In der Regel gilt die Versicherung für alle Motorfahrzeuge, die von der versicherten Person eingelöst sind.

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Worauf muss ich bei einer
Rechtsschutzversicherung achten?

Der Abschluss hat seine Tücken, die Unterschiede zwischen den Angeboten sind gross, vor allem beim Privatrechtsschutz, weniger beim Verkehrsrechtsschutz. Darum sollte man sich genau beraten lassen, damit passend zu der jeweiligen Lebenssituation auch die richtigen Risiken abgedeckt sind. Auf folgende Faktoren solltest du achten:

Freie Anwaltswahl

Manche Policen sehen keine freie Anwaltswahl vor. Je nachdem um welches Thema es geht, ist es jedoch wichtig, dass man seinem Anwalt vertraut und sich bei ihm wohlfühlt. Deshalb sollte nach Möglichkeit eine Police gewählt werden, die die freie Anwaltswahl erlaubt.

Entfallene Wartezeit

Die meisten Tarife sehen eine Wartezeit von drei Monaten ab Versicherungsbeginn vor. Der Schutz geht jedoch nahtlos über, wenn man bereits eine andere Rechtsschutzversicherung hatte. Im Verkehrsrechtsschutz wird oft komplett auf eine Wartezeit verzichtet, sodass dort der Schutz sofort nach Versicherungsbeginn greift.

Kein Aufpreis für unbegrenzte Deckungssummen

Zahlreiche Tarife bieten eine unbegrenzte Deckungssumme an - gegen Aufpreis natürlich! Dabei nützt das Konsumenten meistens überhaupt nichts. Grund: Die Deckungssumme gilt pro Fall, den die Versicherung übernimmt. Ein Fall kann zwar mehrere juristische Auseinandersetzungen umfassen, die ursächlich miteinander im Zusammenhang stehen. Dennoch gehen die Streitwerte nur selten in Millionenhöhe.

Telefonische Rechtsberatung

In den meisten Tarifen ist eine telefonische Beratung für einfache Rechtsfragen enthalten. Achte beim Abschluss einer Versicherung darauf, dass die Beratung für alle Rechtsgebiete gilt, nicht nur für das von dir versicherte.

 

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Die wichtigsten
Fragen

Kann die Versicherung die Übernahme von Prozesskosten ablehnen, obwohl die Streitigkeit in der Police gedeckt ist?

Ja. Nämlich dann, wenn eine Klage als aussichtslos eingeschätzt wird. Dann muss die Versicherung den Kunden darauf hinweisen, dass er ein Schiedsverfahren verlangen kann. Ein unabhängiger Anwalt entscheidet dabei per Gutachten, ob der Fall wirklich aussichtslos ist.

Kann man eine Rechtsschutzversicherung noch nach Beginn eines Rechtsstreits abschliessen?

Nein. Generell gilt: Keine Versicherung deckt einen Vorfall, der schon vor Vertragsabschluss eingetreten ist. Wie sagt der Volksmund so schön: ein Haus, dass schon abgebrannt ist, kann man nicht mehr versichern.

Kann die Versicherung auch Fälle ablehnen?

Ja. Nach den Bedingungen sollten die Versicherer aber alle Fälle übernehmen, bei denen es Aussicht auf Erfolg gibt. Wer Versicherungsschutz hat, nimmt Kontakt mit der Versicherung auf, meldet den Fall und wird dann vom Versicherer über das weitere Vorgehen informiert. Wenn die Versicherung Deckung gewährt, ist durch die Police sichergestellt, dass der Fall auch bezahlt wird. Weigert sich die Versicherung, kann ein Schiedsverfahren helfen.

Muss der Versicherte seinen Fall sofort melden?

Ja, und zwar schriftlich in einer gewissen Frist. Je nach Versicherung beträgt diese 10 oder 14 Tage. Wer zu spät handelt, riskiert, dass die Versicherung ihre Leistungen kürzt. Das darf sie aber nur, wenn durch die zu späte Anmeldung des Schadens unnötige Kosten entstanden sind.

Expertenzitat

Eine Rechtsschutzpolice bietet kein Rundum-sorglos-Paket und ist auch nicht der "Retter in der Not". Sämtliche Konflikte, die schon vor Abschluss bestanden, sind vom Schutz ausgeschlossen. Ausserdem musst du in den meisten Fällen drei Monate warten, bis du deine Police in Anspruch nehmen kannst.

Ausnahmen sind in der Regel Verkehrsunfälle, die sind meistens sofort abgedeckt. Darüber hinaus gibt es viele Rechtsfragen, bei denen die Versicherung nicht zahlt. Dazu zählen insbesondere: Abwehr von Schadensersatzansprüchen (übernimmt deine Motorfahrzeug-Haftpflicht oder deine Privathaftpflichtversicherung), Auseinandersetzungen im Bereich Bauen, Baufinanzierung sowie Haus-, Wohnungs- und Grundstückseigentum, Urheberrecht (beispielsweise das illegale Downloaden eines Lieds aus dem Internet), vorsätzliche Straftaten, Ordnungswidrigkeiten und Familien- sowie Erbrecht.

Das Risiko

In der Schweiz lässt es sich vor Gericht nicht gut streiten, denn seit 2011 müssen Kläger die mutmasslichen Gerichtskosten vorschiessen.

Dein Vorteil

Die Rechtsschutzversicherung bietet ihren Versicherten kostenlose Rechtsberatung, übernimmt die Honorare für in der Regel frei wählbare Anwälte sowie Kosten für Expertisen, Gutachten, Gerichts- und Prozesskosten sowie die Regulierung der Entschädigung des Prozessgegners.

Unser Tipp

Eine Rechtsschutz-Police ist kein "Retter in der Not". Sämtliche Konflikte, die schon vor Abschluss bestanden, sind vom Schutz ausgeschlossen. Außerdem musst du in den meisten Fällen drei Monate warten, bis du deine Police in Anspruch nehmen kannst.